The longer Part of the Gaze
Velimir Ilišević
June 25 – Sept 5, 7 pm
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Vernissage 25.06, 19-21 Uhr
Es spricht Dr. Wolfgang Ullrich
Öffnungszeiten bis 25.07.2026, MO, DO und SA 18–19 Uhr und während der gesamten Ausstellungsdauer nach Vereinbarung (Tel. +41 76 505 15 63)
Lesung 08.07.2026 um 19 Uhr
Velimir Ilisevic liest seine Texte zu Berlin, die als Kolumne veröffentlicht werden.
«Eine Annäherung an beziehungsweise die Konfrontation mit Gemälden Velimir Ilisevics ist wohl für die meisten Betrachterinnen und Betrachter zunächst eine Herausforderung. Diese bestehet darin, dass es in den Bildern keine Motive mit Selbstverständlichkeit gibt – weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick. Die Gemälde, aber auch die Arbeiten auf Papier sind auf den ersten Blick zwar durchaus mit gedanklichen Anknüpfungsmöglichkeiten ausgestattet – einige Objekte lassen sich von Ferne indentifizieren, zudem ermöglichen die Titel Assoziationsketten, die Farbgebung lässt zu dem allgemein verständlichen (zum Beispiel starke Rot-Grün-Kontraste) auch eigene innere Erfahrungen anklingen, kurz: Man fühlt sich angesprochen und aktiviert, hinzusehen. Doch schnell wirkt vieles doch spröde unnahbar. Die Betrachterin, der Betrachter kommt schnell an ein Ende eigener Gefühlsregionen. Es beginnt unweigerlich ein Prozess des Suchens von weiteren Potenzialen der Interpretation – Ilisevics Spiel eben.»
Dr. Matthias Fischer
«...gelegentlich taucht ein Ding auf, etwas Ganzes, das man wiedererkennt, es scheint aus einem verwüsteten Gedächtnis zu ragen, aus einem Schlachtfeld der Alzheimerkrankheit, die die Welt erwischt hat, Menschen, aber auch Bibliotheken, Galerien, Archive...
Die heitere Verwüstung hat etwas von der Unmittelbarkeit einer Kinderzeichnung, von deren Infantilität, die keiner kopieren oder imitieren kann.
Aus der Kindlichkeit, die gelegentlich in Ilisevics Bildern aufblitzt, erwächst das, was über der Kalender des Lebens hinausweist: Symbole, Zeichen, archaische Szenen. Von Ilisevics kindisch-kindlich gezeichneten Blumen, Schlitten oder Bäumen zu mythischen Zeichen derselben Blumen, Schlitten, oder Bäume ist es kaum ein halber Menschenschritt. Kindheit und Ewigkeit sind in seiner Welt eins.»
MILJENKO JERGOVIC: DAS WERK ALS HEIMAT, (2016)
Nach dem Wegzug aus seiner Heimat Jugoslawien in die Schweiz Ende der 1980er Jahre, setzt Velimir Ilišević (geboren in Sisak, 1965) sein Interesse für die Kunst auf der Schule für Gestaltung in Zürich fort. Die Schule wird er aber nach kurzer Zeit verlassen, um sich mutig für eine nichtakademische Selbstschulung zu entscheiden.
Es folgt eine Periode des intensiven Studiums von Werken bedeutender Künstler wie zum Beispiel Vincent van Gogh, Chaim Soutine, Wilfrid Moser oder Philip Guston. Seine Wertschätzung dieser Künstler und die Wahrnehmung einer Sensibilität in deren künstlerischen, teils expressiven Praktiken, die ihm vertraut erscheint, sind prägend für sein Schaffen. Gleichwohl entwickelt Ilišević, ohne sich an deren formale und stilistische Lösungen anzulehnen, in langjähriger sorgfältiger Arbeit, Schritt für Schritt, seine authentische Bildsprache.
So ist es ihm gelungen, seinen individuellen malerischen Ausdruck an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration zu situieren. Zwar lassen sich einzelne gegenständliche Elemente im Bild identifizieren; herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext und durch Iliševićs expressiven, malerischen Duktus und die innerbildliche Konzeption abstrahiert, erhalten sie aber eine neue Bedeutung.
Dieser konzeptuelle Ansatz eröffnet dem Betrachter ein breites Assoziationsfeld und dem Künstler ein grosses Erzählpotential, mit dem er sich den Themen, die ihn beschäftigen – wie der eigenen Migrationsexistenz, und damit verbunden dem Leben in einer neuen gesellschaftlichen und kulturellen Umgebung, der Geschichte seiner Familie, den Schrecken früherer und jüngster Kriege in der Region seiner Herkunft – widmen kann.
Fleisch, Brot, Helm, Löffel, Skier, Stiefel, Axt sind nur einige der Motive, die in seinen Gemälden und Arbeiten auf Papier aufscheinen. Diese Gegenstände sind nicht nur isoliert dargestellte Spuren menschlicher Existenz und Gegenwart. Vielmehr werden sie zu übergeordneten Symbolen, mit denen der Künstler einen allgemeinen Zustand, eine Atmosphäre, ein historisches Ereignis oder aber auch zutiefst persönliche Erfahrungen thematisiert.
Im Spannungsfeld zwischen intensiv farbigem, auch dunklem fast schwarzem Kolorit und expressiver Bewegung, erzählen Iliševićs Szenen von inneren Erlebnissen und emotionalen Erfahrungen sowie der Wahrnehmung von Wirklichkeit und spezifischen Lebensumständen. gleichzeitig, auch ohne Deutungszwang, eine eigenwillige, poetische Präsenz.
Dieser poetische Klang ist eng verbunden mit Iliševićs Wesen, seinem Denken und seinem Glauben. So bedeutet Freiheit für ihn auch Nichtzugehörigkeit, bedeutet Wahlmöglichkeit, wie in der Kunst, so auch im Leben, oder wie er in einem Interview sagte: “Wer sich ähnlich frei fühlt, erkennt das in meinen Bildern wieder. Wieviel Freiheit in der Kunst überhaupt möglich zu ist, wird von unserem Bedürfnis nach Freiheit abhängig sein“.
Längst schon hat sein Schaffen in der Fachwelt Bestätigung gefunden, was auch die Tatsache veranschaulicht, dass er Mitglied der Visarte Schweiz ist und sich seine Arbeiten in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen befinden wie zum Beispiel: Kunstmuseum Bern (CH), Museum zu Allerheiligen Schaffhausen (CH), VP Bank Kunststiftung Vaduz (LI), Mezzanin Stiftung für Kunst Schaan (LI), Notenstein La Roche St. Gallen, Zürich (CH), Städtisches Kunstmuseum Singen (DE), Muffler Architekten, Tutlingen (DE), UBS Ausbildungszentrum Wolfsberg, Ermatingen (CH).
Velimir Ilišević wurde 1965 geboren. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion und sind geprägt von expressiver Farbigkeit sowie Bildwelten, die von Erinnerungen, Natur und persönlichen Erfahrungen inspiriert sind. Seit den 1990er-Jahren stellt er international aus. Seine Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen. Ilišević ist Mitglied von Visarte Schweiz und lebt und arbeitet heute in Stein am Rhein und Berlin.